Geschichten aus einer Maßnahme - Ich, arbeitslos

Geschichten aus einer Maßnahme – Ich, arbeitslos

28.06
Die Fürsorge des „Sozialstaats“ trägt für wahr kuriose Früchte.

Sie heißt wie ein Adliger aus dem 18. Jahrhundert, was sie bedeutet und bewirken soll, kann ich nach einer Woche noch nicht wirklich fassen.Dies ist der Versuch einer Beschreibung des Kosmos Maßnahme.
Unter der Ägide des Jobcenters werden 24-30 im Alter von ca. 18-57 Jahre Teilnehmer, 6 Monate 5 Tage die Woche zu einer gemeinnützigen Einrichtung gebeten, die u.a. auch die Tafeln bei uns organisiert.“Hilfe Orientierung Eingliederung Lernen und Praxis im Leben“, steht auf Ihren Flyern.
„Gebeten“ ist in dem Fall eher der falsche Ausdruck, da alle der Teilnehmer mehr oder weniger unfreiwillig zur Teilnahme verpflichtet wurden. EGV und ALG II Gesetzgebung sei dank, ist es leider nicht viel um die Freiwilligkeit bestellt. Durch diese Sortierung scheint es eher ein Auffangbecken für Langzeitarbeitslose jeglicher Couleur zu sein, die quasi zwangsrekrutiert nun den ersten Durchgang der Maßnahme bilden.

Moderne Konzeptionierung in hellen, angenehmen, noch zum Teil im Um-/Ausbau befindlichen, Räumen, gepaart mit ein bisschen Workshop & Coaching Buzzwordbingo: „Mobilitätslabor“, „Persönlichkeitsentwicklung“, „Netzwerken“, „EDV“, „Selbstmarketing“ und die „Potentialanalyse zum Qualifizierungsbedarf“ sind die herausstechendsten „Angebote“; 5-6 persönliche Coaches stehen zur Verfügung. Geschaffen ist der Maßnahmenrahmen.

Montags – Mittwochs sind Workshop Tage. Das hieß bis jetzt Powerpointpräsentationen und ausgedruckte Onlinefragebögen in Großgruppe.

Montag – Vorladung Wahrnehmen

Es wurden alle zu 9:00 Uhr bestellt um Vertragspapiere auszufüllen, die Vorstellungspräsentation gab es nicht, da das Beamerkabel vergessen wurde.

Hauptthema bei den Teilnehmern:                                                                        20 minütiges Schweigen – Unmut über Teilnahmezwang

Nach Vertragsunterzeichung:                                                                         Feierabend. Halbe Stunde Programm für mich.

24 Personen reisten aus dem gesamten Kreis an, auf Kosten des Jobcenters oder Maßnahmeträgers um Papiere schwarz zu machen.
Kosten? – An und Abreise alleine heute für Reise 200€, bei 5€ hin und rück pro Nase

Sinn? Vorbereitung der Coaches? Ich fange an hart zu zweifeln, an allem; was hier noch alles passieren mag?

Dienstag: Kennenlernworkshoptag

Praxis: Präsentation über die Hoelp – ziemlich unpassend und nicht sehr interesseauffangend angekommen – Prästenation über die Maßnahme Knigge – ziemlich nichts sagend – Dann das eigentliche Highlight des Tages: Der Kennenlernworkshop: DinA4 Zettel mit 3 Feldern ausgehändigt bekommen. Portrait – Hobbies – Erwartungen an Maßnahme. Aufgabe: Malen sie sich selbst.

Reaktion der Teilnehmer: Meuterei! „Kindergarten“ Ausrufe, erste Ankündigungen offizieller Arbeitsverweigerung, gemurre und gemaule von den meisten Teilnehmern.

Zettel werden getauscht, es soll der Zeichner identifiziert werden und zu seinen Hobbies und Erwartungen befragt.

Auffällig viele haben dann doch ein Portrait von sich angefertigt und haben ähnliche Standardhobbies wie Lesen und Rad fahren. Ein Raum voller spannender, nichtssagender Persönlichkeiten. Erwartungen? keine, wenig oder Dinge wie „hier schnell wieder weg sein“, „Arbeit finden“, „Mehr Pausen“ erscheinen auf den Zetteln und werden auf ein Flipchart gebracht.

Kuriositätenkabinett! Menschlich als auch Gedankliches zu Papier gebracht.

Danach Feierabend. 9 bis nicht einmal 12 Uhr.

Die nichtmal drei Stunden waren eh schon gespickt mit Pausen zwischen den Pausen und Rauchenden zwischen den Rauchenden, die nach dem Rauchen wortlaut kundtun, das sie ja schon wieder rauchen könnten und ein Pause bräuchten, pendele ich zwischen vom Wahnsinn und der Albernheit des seriös gemeinten Rahmen, der Gesamtsituation, schockiert, fast angeekelt aber irgendwie auch fasziniert sein.

„Seit 30 Jahren rauche ich, seit dem ich rauche, geht das mit dem Husten auch viel leichter husthusthust“ sind Versatzstücke von Unterhaltungen am Seitenrand. Mitgearbeitet wird kaum, es gibt auch irgendwie kaum was zu tun aber gemurmelt, gelästert und Augeninnenpflege betrieben wird umso mehr.

Alte Maßnahmenbekanntschaften grüßen sich mit Geschichtenaustausch, seit dem, aus dem Auge verloren haben. Es ist ein Kosmos für sich, ein bisschen so stelle ich mir Smalltalk auf dem Knasthof vor.

Hauptthema am Dienstag bei den Teilnehmern: Fahrtkostenrückerstattung geschätzt:1-1,5 Stunden

Kaffeekasse. Die wurde in 5 Minuten selbstständig geregelt und organisiert. Alle trinken viel Kaffee. Ich hab zu Hause welchen getrunken und schaffe es durchaus 3 Stunden ohne Essen und Kaffee oder andere Getränke. Alles doch ein bisschen sehr merkwürdig.

Mittwoch: EDV Workshoptag trommelwirbel

Innerhalb von 5 Minuten irgendwann im Verlauf gab es die Situation das ein Handout 5-7 Seiten für 24 Teilnehmer MultipleChoiceTest, so einer mit Schiebereglern und Kreuzen zum Klicken, aus dem Internet ausgedruckt und ausgereicht wurde und der Coach des Tages von anderen Workshops schwärmte wie „wirtschaftliches Verhalten“. Moment, wie bitte? 120 Seiten Internettest und wirtschaftliches Verhalten überspitzt in einem Satz, sprengte meine Portion Verständnis für den Tag dann leider auch. Worum geht’s hier gleich noch?

Test war dann auch wieder Grund für Gemurre und Gemaule und Arbeitsverweigerung, weil leicht und langweilig. Vielleicht ahnt es der eine oder andere Lese schon, das Thema werden wir noch öfters auffinden. War er auch wirklich, ich hab auch um Ausschluß gebeten, weil langweilig und unterfordernd. Aber was soll man anderes tun als 24 Leute in Gruppen aufzuteilen damit immer ein paar an die 5 vorhandenen Laptops können um ihre Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Eine Gruppe tauscht sich über den gesamten tisch aus, was wo einzufüllen ist, die ander sitzt an den Rechnern und versucht so schnell wie möglich folgende aufgabe minimal befriedigend zu erfüllen: Surfen sie auf eine Jobboerse ihrer Wahl und suchen sie isch ihren Traummjob. Eine Jobannonce auf die sie sich auch wirklich bewerben würden. WÜRDEN! Nicht auch bewerben, nein wo kämen wir denn da hin. Wir haben doch 6 Monate Zeit, immer ruhig mit der Creme de la Creme der Arbeitslosigkeit. Mein Sitznachbar fragte ob wir das Zusammen machen können: Ja klar, kein Ding.

Setzen wir uns an den Rechner, ich öffne 4 Tabs mit Jobbörsen, gebe bei einer Helfer, 20 km Umkreis, hiesiger Ort, ein. Er (Mark)dreht sich ne Kippe. Tabaksorte tiefblau, selbgstgedreht, glaub keine Filter. Zeitaufwand: 1 Minute? Well Done – Mission Accomplished. Erstmal: Pause. Kommen wir wieder rein. Coach: Ja jetzt wo alle so fleißig gearbeitet haben, machen wir auch erstmal Pause.

Nach der Pause, Testabgleich. Feierabend vor 13 Uhr.

Schräge Mischung aus dem Nenner Unzufriedenheit, Hoffnungslosigkeit, Galgenhumorengagiertheit und Dingen die ich irgendwie nicht Bennenen kann. Die gesamte Szenerie strotzt vor abstrusen Unterhaltungen, Gängeleien, Beleidigungen am Rande und halblaut offensichtlichen. Die Coaches ertragen das stoisch, nett, engagiert und versuchen die minimal vorhandene, bis gar nicht vorhandene Motivation gut zu reden und jaaaa nicht im Keim zu ersticken. Sind ja auch bezahlte Ware, viel zu tun ist es nicht, tauschen möchte ich aber wirklich auch nicht mit ihnen.

Irgendwie herrscht da eine Kluft zwischen falsch wahrgenommen werden, falscher Selbstdarstellung der frustierten Teilnehmer und zweifelwürdiger Zielsetzung des Maßnahmeausschreibers/-trägers. Keine Ahnung. Eindrücke über Eindrücke.

Das moderne Bildung dann auch so Schlagwortüberladen daher kommt, um an die Fördertöpfe zu gelangen, geht mir irgendwann noch so durch den Sinn.

Wohlfühlpädagogik

23.07.2018 Ein Montag

Mein Praktikum ist seit Freitag vorbei, länger als 3 Wochen dürfe man nicht unbezahlt praktizieren, sonst gelte es als „Scheinpraktikum“. Das heißt für mich: Zurück zur Knigge-Runde.

Welch Vorfreude mich am Sonntag schon überkam…

Wie könnte man denn die Mischung aus Anwesenheitspflicht, keiner Bezahlung und nichts tun oder kaum Anspruch an die gestellten Aufgaben haben, nennen?

„Scheinmaßnahme“ triffts nicht sehr gut, wir haben ja hier eine Ebene mehr. Vielleicht findet sich ein guter Begriff ja noch von alleine.

9:00 Uhr Workshopbeginn. Kurz vor neun ist der Raucherbereich hinter dem Seminarraum schon besser besetzt als der Raum selbst. Rauchen & Kaffee! Das Muß für viele; von nur einer Frau weiß ich, das sie nicht raucht; Beides am Besten im fliegendem Wechsel, vom Kaffeebecher am Tisch in die „Freiheit“, zur „Raucherzone“ hinter dem Seminarraum. Die Kassierer und Kunden von Netto müßten mal interviewed werden, was die so denken, was bei der Hoelp passiert. Ständig stehen da Leute draußen und rauchen.

Kleinteilige Strukturierung bringt einen sicherer durch die Seminarhölle, die Zeit geht vllt schneller wenn die nächste Pause fest im Blick.

Sachen die man im Vorbeigehen so hören kann: „Ach, immer noch hier? Dich hab ich ja gar nicht vermisst.“oder andere Grußformeln die auf den Zwang der Anwesenheit an spielen.

Thema heute: EDV – Schwerpunkt Office

Teilnehmer: Nur noch 16

Laptopanzahl: auf 10 gewachsen

Coach: Ein neues Gesicht, ein selbstständiger IT’ler in seinen 50igern.

Die 6 aus den ersten Wochen waren gar nicht zu sehen, bis auf eine Ausnahme, er huschte organisatorisch durch die Gänge.

„Sie wären ja alle freiwillig hier“, höre ich unseren Coach „neues Gesicht“ noch sagen, bevor er locker mit PowerPoint und Laserpointer präsentiert, was er denn so von Office wisse. Lustig auf seinem Desktop rumpointert und Symbole erklärt.

Minimal vorab Niveauevaluation findet mündlich statt: „Alle schon mal an einem Rechner gesessen?“ – Von den 2 dissoziativen Pinguinen fangen die Augen an zu strahlen und es wird motivierter mitgearbeitet als je zu vor. Computer, können sie, wollen sie auch zeigen, denk ich mir.

Aber, Aber, immer ruhig mit den schlauen Pferden, denken sich andere. Die Gruppe ist quasi zweigeteilt. Die eine Hälfte kann das gefragte, die andere Hälfte will es nicht können.

„Das du das jetzt weißt, wundert mich nicht.“ „Mußt ja nicht alles erzählen, was du weißt.“ sind Kommentare innerhalb der Gruppe, wenn Nerd 1 oder 2 Fragen beantworten. „Ach Computer“

Ein Teilnehmer, ex Ossi, Ü50, wenn nicht Ü60, tippt auf dem Tisch und tut als ob er am Laptop sitzt. Eigentlich wird permanent irgend ein Blödsinn gesabbelt.

Mitarbeit ist eine merkwürdige Mischung aus Ablesen oder Mitschreiben was er sagt, ins geöffnete Textdokument. Es wird rudimentär überprüft ob das, was er an die Leinwand gebracht hat, auch auf den einzelnen Rechnern gelandet ist. Ein paar Teilnehmer malen lieber in Paint und Klappen den Rechner zu, wenn der Coach kommt. Er so: „Sie schon fertig?“ – Sie so: „Können wir ne Pause machen? – Sie bekommt tatsächlich Ihre Pause. Haben ja auch schon 45 Minuten durchgehalten und

„Liebe Mitschieler und Fräunde“ in die Textdatei getippt und es, besser ist, sogar gespeichert.

Die Datei heißt bla1 und sie befindet sich auf meinem USB Stick den ich extra für diesen Workshop heute von der Hoelp bekam.

Dazu gesellte sich dann in nur 2 Stunden eine Querseite „Auto zu verkaufen“ mit ein paar Details des zu verkaufenden Gutes.

Eine andere Aufgabe, die letzte des Tages, war nach Diktat und/oder Präsentation Tabulatoren zu setzen. Hinten am Tisch, kann man den Beamer nicht sehen und durch das ständige Gemurmel kaum was hören.

Ich sitze hinten.

Ganze 3 Dateien befinden sich nun schon auf meinem Stick. Wird auch langsam Zeit für Feierabend. Es ist ja schon nach 12 Uhr. Nach 12 wird prinzipiell nicht mehr nach Raucherpausen gefragt, das würden den Feierabend ja hinaus zögern. Mein Stick hab ich auf dem Tisch liegen lassen.

Pausenthemen: St Peter, Wochenende, Sonnenbrand von einem Teilnehmer – Wer ist alles nicht da und wieso? – Wie kommt man hier raus? – „Das Gefährdet das Ziel der Maßnahme“

Pausengespräche werden aber auch spontan während der Workshops aufgegriffen oder geführt. Habe erzählt bekommen, während wir unser Auto inserieren sollten, das es, selbst für alleinerziehende Mütter 3er Kinder keinen Urlaub in den Sommerferien gibt, das Ziel der Maßnahme habe Vorrang. Urlaub ist auch übertrieben ausgedrückt, bei ALG II Empfängern nennt sich das Ganze „Antrag auf Ortsabwesenheit“ und muß, wie der Name verrät, beantragt werden.

Soweit ich das Überblicke, weiß keiner der Teilnehmer, was denn das genaue Ziel der Maßnahme sein solle. Mittlerweile ist „Das gefährdet das Ziel der Maßnahme“ ein Running-Gag.

In den 3 Wochen wo ich nicht da war, habe ich einen Kochworkshop, einen Kommunikationsworkshop und den Persönlichkeitsbildungsworkshop verpasst.

Vorabinfo welcher Workshop als nächstes kommt, gibt es nicht. Die Dozentin des Kommunikationsteiles schien schockiert, das hier niemand freiwillig wäre und war scheinbar ähnlich schlecht informiert, wie wir als Teilnehmer, was sie denn zu erwarten habe.

Der Kochworkshop hatte als Highlight die Belohnung mit Muffins.

„Wenn ihr alle fleißig Mitarbeitet, gibt’s am Ende auch für alle einen Muffin.“, soll der Wortlaut gewesen sein.

Da kommt man doch hart ins Zweifeln ob es überhaupt so etwas wie ein Ziel der Maßnahme gibt.

Dienstag: 24.07.18

EDV, Open Office, die Zwote.

Weniger Teilnehmer als am Vortag. Dafür 5°C mehr im Raum.

Da wir alle am Vortag so fleißig mitgearbeitet haben, kopiert der Coach die von gestern diktierten Dateien lieber noch einmal jedem einzeln, auf den Stick. Mein Stick lag noch immer auf dem Platz, wo ich ihn liegen lassen habe. Verdammt, nichtmal mutwillig verlieren funktioniert.

Auch ich bekomme alle Dateien frei Haus kopiert. Wofür haben wir denn gestern mitgearbeitet? Unmut, Kopfschütteln, schelmisches Grinsen um mich herum. Faulheit siegt.

Der Dozent auch nicht mehr so motiviert wie gestern. Wieso auch, er schien auch gedacht zu haben, wir wären freiwillig hier. Vom Gegenteil wurd er gestern wohl schon überzeugt.

Heute war’s der alte ex-Ossi, der nach Pause fragte, wenn der Coach zur Kontrolle kam.

Es klappte jedesmal. Alle 45 Minuten.

Das Paintmädel von Gestern, gestern war ihr Geburstag, kam heut nicht.

Verteilung der eigentlich gestern ja erarbeiteten Dateien dauert fast 40 Minuten. Pause naht!

Heute ging es um einen DIN Brief mit all seinen Finessen. „5008B?“,ich glaube.

Vortragsstil wie gestern, im vorderen Teil des Raumes wird vom Coach herumgepointert und geredet. Mit-/Abschreiben, in Datei einfügen, Datei Speichern, Vergessen.

Verantwortungsgeschubse wer Tippen soll, da immer noch nicht genug Rechner für alle vorhanden. Jeder aber seinen eigenen Stick: „Kopier mal bitte.“ „Du bist dran mit Schreiben.“

Der Ex-Ossi und sein Sitznachbar schieben, wie an der innerdeutschen Grenze, den Rechner auf den Antirutschfüßen hin und her.

Einmal kommt der Coach zu den Beiden, erklärt wie sie eine gerade Linie in einer Textdatei ziehen.

Danach sagt er selber: „Nun brauch ich eine Pause.“ Seitdem kommt er nicht mehr ganz in unsere Ecke. Die „Kontrolle“ oder die „Hilfe“ endet nun zwei Sitze vor uns. Die Frau links von mir und Mark rechts von mir, lassen sich von mir fleißig Dinge erklären, wir teilen uns den Rechner. Coach nickte „unser“ getanes immer nur stumm ab. Nun nicht einmal mehr das.

Mit allen Pausen hat der Brief auch fast 3 Stunden zu formulieren bedurft. Eigentlich sollte heute doch Tabellenkalkulation beginnen oder vllt sogar schon enden?

Coach ließ uns eine Tabelle öffnen und das Feature der automatischen Zahlenfortführung erfahren. Hightechraketentechnik! Tabelle auf, 6 getippt, in die untere rechte Ecke mit Links geklickt und aus dem Handgelenk nach unten gezogen. Pure Magie: ein Rechner kann zählen.

Aber was solls, es war ja auch schon nach 12:00 Uhr, da will ja auch keiner mehr Pause haben, sondern, genau: Feierabend.

Mein Stick liegt wieder auf dem Tisch.

Pausenthemen:

Der Biker wollte wissen, wie ich das mit dem Praktikum gemacht habe. Er hat nun eins bei nem Kumpel auf Wacken. Für eine Woche.

Mark erzählte mir die gleichen Geschichten wie aus der 1. Woche. Er komme mit seiner Beraterin nicht klar etc., meinte zu ihm: „Wechsel die doch, da haste sogar das Recht zu.“ – Er so:“Das geht?“ Nun denkt er ich bin superkluk. Ich glaub er wird mich noch mehr fragen. Scheiße!

Von den regulären 6 Coaches heute keine, einzige Spur. Was die Urlaubsverneinungen der Teilnehmer in einem noch anderem Licht dastehen lassen.

Der IT Typ ist extern, hat von der Orga keine Ahnung.

Die Dame, die die Fahrtkosten regelt, ist im Urlaub.

Donnerstag und Freitags sind Einzelgespräche mit den 6 Coaches, vielleicht tauchen sie da ja wieder auf.

Gerüchte gehen um, das manche Teilnehmer Donnerstag und Freitag gar keine Gespräche hätten, sondern diese schon vorher erledigen konnten. Hey, das will ich auch!

Schön, unterschiedliche Handhabung von Coach zu Coach, in einer Maßnahme, im ersten Durchgang.

SNAFU in Schilda.

25.07.2018

EDV, die Dritte – Tabellenkalkulation

Teilnehmer: 10

Merkwürdigerweise saßen wir immer noch zu dritt an unserem Rechner.

Draußen 30°C+ – Motivation? – Schwitzen!

Die Tür, die Durchzug im Raum verursachen würden, dürfen wir nicht öffnen, wir würden die anderen stören. Die Anderen, das sind die Angestellten des Träger. Ich glaub die wollen uns nur nicht riechen. Jeder der zurück in den Raum kommt, beschwert sich über die schlechte Luft.

Aufgabe, selbes Schema, diktier abschreib Excelgefriggel auf der Leinwand und den Laptops.

Stundenpläne, Einnahmen/Ausgaben Kalkulationen der einfachsten Art werden erstellt.

Manche Rechner sind quasi permanent zu geklappt. „Das meint er nicht ernst“, ist zu hören, als doch tatsächlich kurz nach 12 noch eine neue Tabelle aufgemacht wird.

Paintgirl ist wieder da und koloriert einen Hund und eine Sonnenblume, ziemlich niedlich.

Pausenthema:

Der Coach und der Biker reden über Motorräder. Der Biker lobt den Unterrichtsstil des IT Coaches. Vllt sind sie auch einfach nur gleich alte Männer mit ähnlichen Interessen.

Mein persönlicher Coach sucht mich in der Pause auf, raucht gehetzt neben mir eine. Die brauchte er auch wirklich, dacht ich mir, so schnell wie er die wegzog.

„Wie geht’s?“, fragt er mich. – „Geht so, ich bin ja immer noch hier.“ Er ist einer von den Menschen, die dir immer tiefst in die Augen gucken müßen beim reden. „Es ist schon eine schräge Erfahrung“, hör ich mich sagen. Er grinst lausbübisch. „Das ist es wirklich.“ und raucht seine Kippe weiter.

Verrückt, Coach und Teilnehmer in der Wahrnehmung der Maßnahme geeint.

Auf die Termine zwischen Mo und Mi. dafür Do und Freitag frei, hab ich ihn auch angesprochen. „Wenn es aus koordinatorischen Gründen nicht anders gehe…man solle sich aber eher um sich kümmern, nicht um die Termine der anderen…“, so ganz sicher war seine Aussage da nicht.

Sei den Anderen ja gegönnt, mein ich, aber es wäre ja eine Motivationsangelegenheit, wenn so was die Runde macht im Pausenkreis. „Welche Motivation? Schauen Sie sich mal die Leute um sich rum an.“ hör ich ihn sagen, drückt seine Kippe aus und geht.

Nunja, danach bekam ich meine Termine. Habe nun einen am Mittwoch um 14:30 Uhr, Donnerstag muß ich auch noch einmal für ein Gespräch zur Verfügung stehen Freitag hab ich nun frei.

30.07 Montag

Ich will zum Jobcenter, mit meinem Herren vor Ort, über Sinnhaftigkeit der Maßnahme reden.

Mein Ansprechpartner hätte seinen ersten Tag nach dem Urlaub, die Empfangsdame ruft ihn trotzdem an. Ich solle morgen wiederkommen. Er hätte keine Zeit.

Verdammt, das war in meinem Kopf einfacher und mit konstruktiverem Ausgang.

Hat gedacht auch länger gedauert, nun muß ich ja trotzdem zum EDV Workshop, oder?Moment.

Mein Arzt ist ja gleich um die Ecke, denkt sich der Schelm in mir. Hab meinen Lebtag noch keinen gelben Zettel vom Arzt gehabt. Ab ins überfüllte Wartezimmer. Über eine Stunde später grinst mich mein Arzt an und sagt ich soll wieder gehen: Ich hätte keinen Hitzschlag und auch gegen den Sonnenbrand hab ich nichts bekommen. – Zu dumm für ne AU, nichtmal Lügen kannste, denk ich mir und ziehe schwitzend von dannen. Kurz vor 11, jetzt noch zur Maßnahme? –ach nee, hab doch aufgepasst,nachher verpass ich noch den Feierabend.

31.07. Dienstag

EDV

Teilnehmer: ca. 15, hab nicht gezählt. Zu heiß. Meine Sitznachbarin wartet schon bei aufgeklapptem Rechner auf mich. Mein Sitznachbar sieht aus wie Frederick Lau…Boxergesicht. Regelmäßiger Kneipengänger, andere Teilnehmer kennen Geschichten von ihm und seinen Deckeln in der Kneipe. An manchen Tagen kommt er auch gar nicht..z.B. Am Monatsanfang. „Der war bestimmt seinen alten Deckel endlich zahlen und gleich nen neuen aufmachen.“, heißt es dann aus der Gruppe. Ein bisschen wie im goldenen Handschuh…die Schimmligen sitzen hinten usw…

Habe ihm fälschlicherweise am Anfang der Maßnahme gesagt, er sehe aus wie Daniel Brühl…den meinte ich gar nicht. War glaub ich das bessere Kompliment. Seitdem ist er ziemlich freundlich zu mir. Besser so, vielleicht ist es ja tatsächlich nicht nur der Alkohol der sein Gesicht zerknautscht.

Aufgabenstellung? Mittippen was vorgelesen wird oder Abtippen was auf der Leinwand steht.

Immer noch Spielerei mit Open Office Tabellen und sogar ein bisschen Funktionen nutzen. Sverweiß ist das Maß der Dinge. Fiktive Kundentabellen werden angelegt. In einem Tempo, das mich die stoische Gelassenheit der Coaches echt wundert. 5*10 Felder Tabelle dauern gute 2 Stunden.

Kurz vor 11 bin ich dann weg, Gespräch mit dem Herrn vom Jobcenter erneut suchen.

Es war wieder im Kopf konstruktiver als in der Realität. Über eine Stunde Gespräch über Sinn und Unsinn in der Maßnahme. „Es gäbe keine besseren Alternativen. Das werde schon noch Besser. Wenn Sie sonst nichts mitnehmen, dann wenigstens Frustrationstoleranz.“

Ich komm mir vor wie Herr Uthoff in der Anstalt vom ZDF, als er den Kunden des Jobcenters mimt. „Wieso sind sie denn so aufgebracht?“ – „Ja wieso denn bloß?“

01.08. Mittwoch – Vor erst letzter Tag EDV

07.08. Dienstag

Selbstmanagement/-marketing

Neuer Workshop-Coach, eine blonde Dame in Rock und schwarzem Shirt.

Sie geht aufmerksam durch den Raum und sucht nach Spuren getaner Arbeit in der Maßnahme. Findet vereinzelt aufgehangene Flipcharts, mit von den Teilnehmern selbst aufgestellten Regeln: 13:00 Uhr Feierabend – Keine Rollenspiele – sinnvolle Tätigkeiten, prangen u.a. dort.

Will sich engagiert ein Bild von der Gruppe machen, Sie wäre auch noch nicht so lange Coach, mache dieses Thema aber mit vielen verschiedenen Gruppen. Es wäre hilfreich und wichtig.

Gemurre und „da mach ich nicht mit“ Aussagen, als sie nur andeutet, es könnte in Richtung Rollenspiele gehen.

Nach fast 2 Monaten hat sich die Gruppe quasi geteilt, in die, die vorne beim Coach sitzen und die, die hinten sitzen. Vorne eher so Stimmung „beim Coach anbiedern“ dann wird’s schon nicht so schlimm. Hinten eher so: „nicht glauben könnendes Kopfgeschüttel und maximale Pausenausdehnung“. Bisschen wie im Schulbus, nur Mitmachen tut immer noch niemand. Minimalerfüllung, maximal Pausieren. Jede Chance für Smalltalk wird genutzt. Niveau: Peniswitze, die Coachin wird mit anzüglichen Bemerkungen bedacht, sie trägt ja auch einen Rock und hat Brüste. Oh es hat jemand Spalte gesagt *schenkelklopf*…ach ne das war bei EDV.

Zwischen den beiden sich langsam formenden Gruppierungen, sitzen die Spielenerds, wirklich wie aus dem Klischeebilderbuch. Schwarzes Shirt mit Wolf drauf,ausgeblichen, fettige Haare, mehrere Tage fett, Augen wie ein Mongoloider vom Keller- und PC-Licht.

„Was merkt man als erstes wenn man jemanden erschießt? – Den Rückstoß“ sind so humoristische Amokläuferwitzchen aus dieser Ecke des Kosmos. Zu Rollenspielen kam: „Rollenspiele, Rollenspiele mach ich auf dem Computer, da kann ich alles sein: Massenmörder, Amokläufer, Verkehrsrowdy oder Polizist.“, aus der Selben Ecke.

1. Spiel: Zettel und Stift, man nenne 3 Hobbys, eins davon real, 2 fiktiv. Die Gruppenmitglieder gehen rum, raten per Strich welches Hobby stimmt. Die Abstimmung ergibt: Meine Fremdwirkung ist eher die eines Fußballspieler als eines Einradfahrers oder Gärtners….ich fühle mich ein wenig gekränkt und belehrt, es wird nicht nur im Workshop nicht zugehört, sondern auch den Anderen Teilnehmern nicht. Dachte mehrmals über den Garten geredet zu haben.Nunja… Fußballspieler-Ich. Bin ich ja gut aufgehoben unter „gerne Käse essen“, „Sport“, „Kochen“, „Backen“, „Darten“….

Es wird verdeutlicht, das man ja nicht freiwillig hier wäre. Neuer Coach, alte Leier. Zum Ausbruch kommt das ganze bei Spiel II: Man nehme sich eine „Monsteremotionskarte“ vom Tisch und erkläre warum man sie genommen habe. Der Spiele Nerd mit Brille neben mir, hat die Karte „gemütlich hier“. „Gemütlich hier? Ehrlich?“, denk ich mir, „wie scheiße ist denn dein zu Hause?“ Gucke auf meine Karte „Ich will hier raus“. ich mache meinen Mund auf: „Weil es so schön gegensätzlich ist, ich hab ich will hier raus und zwar aus mehreren Gründen. Der Kamm über den hier geschoren wird, der ist schon ziemlich grob. Von 19-55 Jahre gibt es ja vllt doch Unterschiede im Anspruch. Anspruch generell hat ne Riesendiskrepanz, zwischen Maßnahmeträger und Jobcenter, zwischen Träger und Teilnehmer, zwischen Teilnehmer und Maßnahme. Überall verschiedene Erwartungen. Situationen, wie ein Coach sagt:“Mit den Teilnehmern würd ich nicht netzwerken.“ während im Hintergrund auf dem Flipchart „Soziale Kontakte knüpfen“ prangert, tragen zur Absurdität des Ganzen bei. Unterstellungen in der Kommunikation in der ersten Woche, wie Sie brauchen ja erstmal einen geregelten Alltag, während der nächste Workshop „Kommunikation“ heißt. Andauernd diese Unterstellungen. Man wird behandelt als ob man krank oder geistig labil wäre, dabei hab ich ja grad nur keinen Job.“, höre ich mich sagen und schaff mir ein bisschen Platz auf der Brust. Damit platzt der Knoten…mehrere Teilnehmer wettern lauthals über die Bedingungen der Maßnahme, ALG II an sich, reden offen und ehrlich. Dem Coach entgleitet die Runde, sie kommentiert:“Ich mag das Kartenspiel, da kommt immer unerwartetes bei raus.“

Zu viel mehr als diesem Ausbruch, er war beeindruckend genug, kam es dann auch nicht mehr.

Einmal wurd sich noch auf eine Linie gestellt, die versinnbildlichen sollte wie nahe man seinem (Berufs)-ziel stünde. Der Coach merkte vorher an: „Ich bin mir nicht so sicher ob die Übung jetzt nicht zu zynisch ist.“ Standen trotzdem alle auf der Linie. Fast 12:30 stand schon auf der Uhr. Feierabend.

08.08

Selbstmanagement Tag II

Coach konnte nicht aufhören drüber nachzudenken, was die Runde ihr gesagt hat, es ging ihr merklich nahe. Stimmlage und Haltung gegenüber der Gruppe hat sich geändert, nicht das Sie vorher grob oder ungehobelt war, eher scheint sie ein bisschen gebrochen und zweifelnd. Das kommt sehr gut bei der Gruppe an. Endlich mal jemand der zuhört, wird gesagt, der uns ernst nimmt.

„Für Sie wären alle Menschen gleich, Sie wisse über das Schicksal als Arbeitsloser bescheid.“

Sie wird soweit ich überblicke als nettester Coach empfunden.

Ihr Thema eigentlich: To do – Not To do Listen — SMART – ALPEN – AkronymTools zur Planung, Hemingway Methode, Selbstmarketing Tools. Die Innenbeschau ist nun aber für wahr nicht die Stärke der meisten Teilnehmer. Härte, Panik und Verzweifeln in den Gesichtern. Projektmanagement 101 und Tools aus jedem Selbstoptimierungsratgeber, irgendwie nichts neues für mich. Ich fühle mich wie ein Kirchgänger, ich schaue öfter bittend zur Decke.

09.08

Selbstmanagement Tag III

Der eine Spielenerd hat ein Praktikum in der Altenhilfe ab nächster Woche. Er freut sich drauf. Später schlägt er nach einer Fliege, sie kriecht halbtot über den Tisch.

„Guck mal, eine Krieche, eine Fliege ist das ja nicht mehr.“ der Clan Computer lacht dreckig.

„Mach die mal fertig“, sag ich, in dem Moment wurd die Fliege schon in meine Richung geschnippst. Ich trete drauf, die Bengels gucken als ob ich jetzt der Übeltäter wäre.

„Ob du wirklich in die Altenhilfe willst, würd ich mir nochmal überlegen“, konnt ich mir nicht verkneifen.

Capträger, PitBull Germany Shirt Typ malt erst eine DINA4 Seite Mandalaartig bunt. Nächstes Blatt: er malt ein Messer. Coach schaute bei der Fliege schon ein wenig entsetzt, nun schreitet Sie pädagogisch charmant ein:“Muß ich jetzt angst haben, eben Mandala nun gegen Ende Messer? – Captyp: „Nein.“ – Fetthaar Spieltyp mischt sich ein: „Keine Sorge, Es geht noch schlimmer.“ Coach und ich gucken uns an, reißen die Augen auf. „Ist das jetzt beruhigend?“, frag ich Sie. Grinsen beide schief. Was für Psychos hier sitzen, denk ich mir.

BierKrug des Lebens – Fieberstrahl des Lebens – Tagesplan nach einer Methode von gestern aufstellen. Die Aufgaben sind mehr ein schlechter Witz als neue, hilfreiche Methoden. Mögen ja hilfreich sein, aber nicht in der Umgebung, nicht in der Atmosphäre.

Dennoch/Deswegen scheitern die meisten an der Mitarbeit.

„Computer, Schlafen, Essen“ stehen im Bierkrug meines Sitznachbarn in den größten Feldern.

Diese Maßnahme macht mich noch zum gutem Christ: Raus aus dem Raum, Blick in den Himmel mehrmals laut „man man man man man“ gesagt, kopfgeschüttelt und abgedampft.

Heut war echt hart, die Versatzstücke aus den Gesprächen lassen tiefer und tiefer blicken. Psychos in Therapie, sozial isolierte, hart verschuldete, frauenverachtende, tierquälende, stumpfsinnige, flachwitzige Gestalten. Wenn das mal kein guter Umgang ist – das Umfeld prägt. Ein Freund nennt mich schon den König der Arbeitslosen.

13.08. Montag

Anbahnung meines 450€ Vertrages, Arbeit, Echt! Melde mich ab von der Maßnahme. Was ist? Der verdammte Workshop beginnt erst am Dienstag. Vorab Info darüber? Nö, wieso denn auch…

14.08. Dienstag

Bin nicht da gewesen. Habe blau gemacht. 20 nach 12 hat die Tagescoachin frustriert in Sack gehauen, wurde mir Mittwoch stolz berichtet. Aufgaben: Geschichte der Mobilität – Gruppenarbeit und Google die scheiße fett. Scheint ja nicht so gut geklappt zu haben.

15.08. Mittwoch

Telekommunikatons-Workshop

Anspruchsloses Thema – Attraktive Frau mit weißer Hose – Nur Kerle als Teilnehmer

Wir lernen was wir uns für Gedanken machen sollten, bevor wir telefonieren. Oh WOW!

Und über die Vor und Nachteile des Telefons an sich.

Hab gefragt ob ich meinen Joker ziehen darf und gehen könne. Ich könne ja den Anderen helfen, war mal wieder die Antwort.

Törk kommt rein: „Einen wunderschönen Mittwochmorgen allerseits.“, macht eine theatralische Verbeugung dabei. Ritual, jeden Tag ein paar Minuten später kommen für den richtigen Auftritt.

Heute hat er sogar eine orangefarbene Warnweste an. „Oh ist heute gar nicht der Spaziergang, dabei hab ich mich extra vorbereitet.“ Sein Tischnachbar schämt sich ein wenig. „Brauchst dich nicht schämen, für dich hab ich auch eine mit.“ Knallt ne zweite Warnweste auf den Tisch. Gelächter. Zwei Methoden des Aushaltens, diese beiden. Törk versucht so kompliziert wie möglich zu wirken, damit jedes einwirkender „Coaches“ abschreckend lange wird und deswegen auch meist schnell unterlassen oder gar nicht mehr stattfindet. Narrenfreiheit.

Tischnachbar ist still und will am besten ohne aufzufallen durchrrutschen.

Viel auf Flipcharts geschrieben von ihr, viel auf Ihren Hintern geguckt worden.

„Sich vorher Gedanken machen“ steht dann z.B. auf dem Chart. Großes Gedankentennis, kommt man ja nie drauf sonst.

Sie bückte sich aber auch gerne in Ihrer praxisweißen Hose und hatte echt einen knackigen Hintern.

Anspielungen á la „Alles hat seine Vor und Nachteile, eine Vorder und Rückseite.“

Verblüffend viele Stühle wurden zur Blickwinkelverbesserung nach draußen geschafft. „Das gefällt dir, heut was? Gefällt dir, was du siehst?“, gegrunze/geraune.

Arbeitsklima diesmal: neue Kombination ab der zweiten Hälfte, Pause plus Arbeiten gleichzeitig, alle standen meistens draußen im Raucherbereich mit dem Flipchartständer.

„Ständer“ ehehehehe, war heut mal gar kein Lacher, hat mich überrascht.

Teilnehmerzahl: habe 12 als Anzahl gehört, zu lethargisch zum Zählen, macht eh keinen Unterschied.

Kurz vor Schluß durfte ein jeder bekunden was er denn heute mitgenommen hat, einen Erkenntnisgewinn: „Erkenntnis heute: Nicht nur Herr Sopeña hat schöne Locken.“, sag ich, als ich an der Reihe bin.“ Sie errötet, Gruppe lacht: „Der saß punktgenau!“ – „Thematisch hab ich jetzt leider nichts wirklich neues gehört, wenn ich ehrlich bin.“ – „Macht ja auch nichts, danke für Ihre Ehrlichkeit.“, sagt Frau Gayo und läßt uns in den Feierabend.

Donnerstag 16.08

Betreutes Spazierengehen mit gebuchter Stadtführung und anschließender Einkehr, in meinem Wohnort. Nein Danke. Bin zu Haus geblieben.

Dienstag 21.08

Die selbe Dame wie beim Selbstmanagement ist zurück. Thema diesmal:

„Sicher durch den Finanzdschungel“ – steht zu mindest auf dem Chart.

Es geht los mit Sitzordnung umbauen. Wir haben nun zwei Inseln, anstelle einer langen Reihe.

Weiter mit einem Spielchen: Spielzeugverkehrsschilder halten her um die Tagesstimmung zu verdeutlichen. Man nehme sich eins und erzähle wieso. Ich hatte Stau und habe gegen Kreisverkehr tauschen können. Frei nach dem Motto:„Muß hier morgens sein, danach dann fließt der Tag weiter.“

Während der Verteilung des Sripts, in das man noch nicht reingucken soll, läuft Musik die Thematisch was mit Geld zu tun hat: von Marteria über Pink Floyd zu AC/DC.

An unserer Sitzinsel sitzt auch der „Ex-Ossi“ Selbst ein Vierteljahrhundert später soll unser Tisch deswegen immer noch Osten heißen. Anstelle Ost gg West beim Finanzworttabu, heißt es dann Nord gg Süd. Sitzinseln steigern scheinbar das Inklusionsbedürfnis, es wird gefrotzelt und sich gegenseitig beleidigt, allerdings in Witzform. „Der Norden verweigert wieder die Arbeit.“ z.B.

Finanzworttabu. Ich find Tabu an sich schon dumm, nun auch noch in einer Gruppe mit Leuten die nichtmal in der Partyküche sitzen und das mit Worten wie „Gläubiger“ oder „Girokonto“. Der Hammer. Problem hier: Niemand kann oder will vor der Gruppe sprechen. „Mr. Ich esse gerne Käse“ und der Radfahrer erbarmen sich für Gruppe Süd. Der Ex-Ossi und Marc für meine Gruppe. Marc wollt mich überreden mit „Du kannst das doch“ – „Was hat das denn damit zu tun?“, war meine Antwort. Hat genügt.

Klärung der Regeln, das dauert natürlich länger als die 1. Spielrunde.

Mr Cheese war Sonderschüler und hat den Begriff falsch gelesen. Gelächter. Er ist eh immer Rot im Gesicht vom ganzem Käse. „Brettergymnasium war ne tolle Zeit.“ hör ich ihn sagen, als er sich wieder setzt.

Durch das ganze auf den Tisch gestarre hab ich herausgefunden, das die Antworten doch tatsächlich im Script stehen. Ahnt ja niemand…außer den Leuten die viel auf den Tisch starren, also quasi alle.

Aber irgendwie überrascht mich das alles nicht mehr. Die 2 Hardcore Pausengänger, die sich immer noch eine anstecken, nachdem 15 Minuten Pause um sind, lassen sich extra persänlich reinholen, damit mehr Zeit vergeht, für alle, bevor der Spökes weitergeht. Das nervt schon die Fraktion, die wirklich auf Hilfe der Art angewiesen sind. Das ewige Gesabbel auf unterstem Niveau, ist der Nenner der Gleichgültigkeit, das einzige, spärliche Bändchen zwischen den Zwangsinsaßen.

Zettelzeit: Vier Fälle von Peter und Paula mit unterschriebener Bürgschaft von Paula für Peter, sind textlich geschildert. Ausdrucke aus der Schuldnerberatung, steht untem auf dem Zettelhaufen. Multiple Choice Test. Moral von der Geschicht: Bürgschaften sind scheiße, tut es nicht.

Unterhaltungen über Bezahlvorfahren der elektronischen Art, driften ab in Geschichten aus dem Alltag der Teilnehmer. Es geht geschlagene 20 Minuten um: „Welcher Supermarkt gewährt welche Zahlung ohne Eingabe eines Pins.“Niveau: „Bei Penny hab ich für 23€ bezahlt und mußte keine Pin eingeben.“ – „Ich hab bei Netto für 17€ schon eine Pin gebraucht.“

Ich packe das Script ein, es ist eh bald Pause. Ich will gehen! „Bleibt das so, die nächste Stunde?, frag ich unsere Dozentin in der Pause. Sie nickt.

„Ich habe keine Ausrede, aber ich möchte dann gerne gehen.“Sie zwinge uns zu nix, wären ja erwachsen. „Sehr gut, raus hier“, denk ich mir. Aber sie würde mich ja gerne am liebsten im Einzelcoaching haben. Ein Glück ist sie nur ne Externe und das ist nicht möglich. Ich hätte so eine große Mauer an Frust aufgebaut, selbst wenn im Stoff noch interessantes wäre, ließe ich das gar nicht an mich ran.

Ach so ist das, mein Frust, den ich habe, weil ich in dieser tollen Maßnahme bin, ist der Grund das ich nichts von banalem und bekanntem Stoff mitnehme, denke ich mir und gehe um 12.

Mittwoch 22.08

Donnerstag 23.08

„Man ist ja gleich Alkoholiker, wenn man seine 5 Bier am Abend trinkt.“ – „Ja, bist du auch!“ Gelächter. Mit der Antwort aus der Gruppe hat M. wohl nicht gerechnet, als es um Gründe der Verschuldung geht.

Dienstag 28.08.

Bin zu Haus geblieben, habe einen 450€ Vertrag in der Röhre. Arbeitsanbahnung!

Mittwoch 29.08

Coaching mit der Schuldnerberatung, Woche Zwo, zweiter Tag.

Spielfelder stehen mit Figuren und Würfel auf den Tischen. 10 Leute nur noch anwesend.

Gestern wurde wohl „Kohlopoly“ gespielt, so steht es auf der Verpackung…ein Spiel von der? Genau, Schuldnerberatung.

Wir könnten ja erst zu Ende spielen und dann starten wir das „Planspiel Einkaufen“.

Fiktives Einkaufen…mit echtem Umherlaufen.

Auf meinem Mobiltelefon ein verpasster Anruf. Chef. „Entschuldigung, da muß ich mal zurück rufen.“ Konnte dann ein Glück arbeiten gehen.

Donnerstag 30.08

Coaching mit der Schulnderberatung, Woche Zwo, letzter Tag.

6 Leute stehen draußen und Rauchen, als ich um 9:00 Uhr ankomme. Nächste Woche gehe es wieder erst am Dienstag los. Trommelworkshop! Donnerstag dann Radtour! Wow. Noch keine 5 Minuten hier und mein Kopf schüttelt sich schon wieder von alleine. Trommelworkshop? Was fürn Scheiß! Betreutet Radtour zur Müllverwertung im Nachbardorf? Man das ist ja doch Resozialisierung, hab ich mich irgendwie in ner Tür geirrt?

Viertel nach 9, immer noch draußen und Rauchen. Frau H. Betritt durch die andere Tür den Raum.

Wir gehen rein. 2 weitere Leute sind schon drin. Teilnehmer: 8 – Rekord!

2 Laptops stehen auf den Tischen. Wir wollen heute auf der Schufa Seite rumsurfen.

Vorher Monolog vom ExOssi. „Er würde ja lieber mal an realen Beispielen arbeiten, er hätte eins parat.“ Seine Tochter und ihr Freund wollen zusammen ziehen, ob die Wohnung haltbar wäre. Der gute Mann stand fast 40 Minuten vor der Gruppe und dem coach und hat erzählt und vorgerechnet.

Ende der Geschichte:Wohnung ist bezahlbar, auch im Fall das ihr Partner wegbreche.

Gestern beim fiktivem Einkaufen, einem Einkaufswochenplan erstellen, hat er auch schon gewonnen, der Sparfuchsossi. Nach so viel Gerede brauch der Mann aber natürlich erstmal eine Pause.

Handout kommt umgehend danach. Fragen wie: Woher hat die Schufa meine Daten? Stehen darauf. 2 Seiten, ca. 14 Fragen.

Auf der Schufa Seite unter „Häufige Fragen“ findet man die Antworten, meist auch die Formulierung der Fragen auf dem Zettel.

Manche Teilnehmer scheitern am finden der Seite oder am bedienen der Seite. Ein anderer (der Exossi)liest Zeitung. Mein Laptop ist andauernd in den Standby Modus gegangen, ich wollte eigtl gar keinen, aber mein besorgter Sitznachbar hat mir einen besorgt. Man was ein Depp.

„unternehmen“ schreibt man mit Doppel M.“, tönt es vom anderem Tisch, vom Käseman.

„ich würd das mit H. Schreiben“, sagt sein Nachbar – Coach H.: „Hauptsache Sie verstehen das, es gibt hier keine Rechtschreibbewertung.“

Für die zwei Zettel abschreiben aus dem „häufige Fragen“ Bereich der Schufa Homepage oder anderen Teilen der Seiten brauchten wir gute 2 Stunden. Unterbrochen von 2 Pausen kommt man ja auch zu nix. Eigentliches Ziel der heutigen Sitzung: Schufa Auskunft bestellen. Mußte man aber nicht. 4 Leute und der Coach warten nun auf Post von der Schufa.

Halb Eins – Feierabend

04.09. Dienstag

09:00 Uhr. Keine Ahnung wie der Workshop heißt. Ein Stuhlkreis begrüßt uns Teilnehmer beim Raum betreten. Die Mitte des Stuhlkreises ziert ein Teppich, wirkt handgewebt, mit Spiralmuster. Darauf eine Blumenvase mit Blumen, Taschentüchern (Was hat die denn vor? Uns zum Weinen bringen?), Stiften und 2 Spielzeugfiguren: 1 Wolf und 1 Giraffe.

Ersteindruck: Desaströs! Was ist das schon wieder für ein Blödsinn? Und wer ist die alte Hexe mit ihrem Teppich?

Die Dame die uns heute „betreut“ war schonmal da, ich wohl nicht, als sie es war.

„Was hat sich denn seit dem wir uns das letzte Mal gesehen haben, verändert?“, will sie wissen.

Grummeln, Schweigen, „Nichts!“, Ausrufe. Sie will mehr wissen. Hat sie auch gewußt in welches Bienennest sie sticht?

Eine Stunde Beschwerden folgen. Alle sind unzufrieden, von denen die, die Maßnahme bräuchten, bis zu denen die nur auf Zwang hier sind.

An der Wand zieren nun Begriffe wie „Verarsche“, „keine Augenhöhe“, „Coaches brauchen Training“ und „Kluft zwischen versch. Ansprüchen“ den Raum, 3-4 positive Punkte kamen von einem sozialisoliertem Teilnehmer, er meinte: „Die Gemeinschaft hätte er nicht zu Hause.“ – Wie traurig das ist! Das ist hier keine Gemeinschaft! Das ist stinknormale Gruppendynamik, mit richtig miesem Unterton.

Sie schreibt alles was sie hört auf kleine farbige Zettel und bappt diese auf einen noch größeren, DinA3 Zettel zum an die Wand hängen. Evaluation im Betrieb, das ist ja fortschrittlich, immerhin scheint erkannt worden zu sein, das die Maßnahme nicht so richtig rund läuft und keiner das Gefühl hat es helfe viel oder überhaupt etwas.

Denn wir haben seit heute auch einen Schatten. Eine weitere Frau beobachtet uns und die Maßnahme diese Woche. Sie wolle eventuell in die Orga einsteigen, bevor sie sich entscheide, aber mal Einblicke gewinnen. Ha perfekter Tag dafür. Ihre Gedanken hät ich gerne mal lesen können.

Nach der Stunde Beschwerde, natürlich: Pause.

Nach der Pause…sinnlose Übungen: zu viert einen Zollstock auf zwei Gläser legen und Prominentenraten. Ca 25 DinA4 Zettel mit Gesichtern liegen im Stuhlkreis. Wir kriegen einen Zettel in die Hand mit 3 Spalten: Name, Beruf, Beschreibung.

Es soll im Stillen gearbeitet werden, jeder für sich. Haha…Pustekuchen. „Nicht Vorsagen!“, hört man Frau B. des öfteren sagen. Gebracht hats nichts. Ne Stunde gebraucht, haben wir trotzdem. Ergo: Pause! Danach Vergleichen des Vorgesagten. Wie sinnvoll.

Frau B’s Höhepunkt des Tages: Attribute den erkannten Personen zu ordnen und verstehen was der Unterschied zwischen Beobachtung und Behauptung ist. Z.B. Sein Kopf ist rund im Gegensatz zu sein Kopf ist häßlich. Wow, welch großes Erkenntnistennis.

13:00 Uhr, Feierabend.

Mittwoch, 05.09

Immer noch der unbekannte Workshop mit Frau B. Und ihrem Stuhlkreis.

„Nun werde ich sie mal ein bisschen schocken.“, hör ich sie noch sagen. Dann plärrt schon Vicky Leandros mit „Guten Morgen, Guten Morgen, Guten Morgen Sonnenschein“ aus ihrem Tablet.

„Los Bewegen Sie sich, ein bisschen wach werden.“, sagt sie und „tanzt“ in der Mitte.

Die Gesichter der Teilnehmer? Unbezahlbar! Totale Gesichtsentgleisung. Arme werden verschränkt. T. (Ex Ossi) grinst und schüttelt seinen Hintern. Der Rest entsetzt am sitzen bleiben.

Frau B. Energisch: „LOS, jetzt!“ – Keine Reaktion. Das ist ja mal lustig.

Energizer Tanzen wird abgebrochen. Sie brauche keine Leute die nicht mitmache. Zwingen tue sie uns zu nichts, wir können auch was anderes/eigenes machen. T. Setzt sich darauf als erster in den hintersten Teil des Raumes.

„Was können wir denn machen, das sie um 13:00 Uhr denken, es war ein guter Tag?“, will sie wirklich wissen.

„Kognag und n Kasten Bier.“, „Käsebrötchen“, „Mettbrötchen“, „jetzt schon Nach Hause gehen.“ sind die ersten Antworten.

4 Leute wollen im Park spazieren gehen. Die Verhandlungen über die Länge sind amüsant.

Käseesserman fragt:“Wann sollen wir denn zurück sein?“ – Frau B: „Wie alt sind sie? Übernehmen sie doch mal Verwantwortung für sich, kommen sie wieder wenn sie fertig sind.“

Ich beobachte das Ganze auch schon aus dem hinterem Teil des Raumes, gehe raus und versuche Chef zu erreichen, eigtl war auch Arbeit angesagt heute. Kein Erfolg.

Hab mich abgemeldet und bin dann raus zu ihm geradelt, kurz vor eins war ich wieder da.

Pünktlich zum, genau: Feierabend.

Montag 10.09

Farb- & Typberatung mit Astrid. Wir dürfen den ersten Coach duzen. Das ist auch schon das Beste am Ganzem.

Eine Stunde geht drauf für die Vorstellungsrunde. „Was haben Sie denn schon so beruflich gemacht?“, will Sie wissen.

Es wird sich wieder nur über die (meist nicht vorhandene) Arbeit definiert. Du machst nichts, also biste nichts. „Wir müßen Sie ja wieder auf die Füße bringen.“, hör ich Astrid sagen. – Unterstellung! Einspruch! Mal wieder. Aber egal. Die Begeisterung bei 15 Kerlen und einer Frau bei dem Thema, ist eh überschaubar, bis nicht vorhanden.Wie mir das auf den Sack geht, jede Woche die selbe Vorstellerei und dann anspruchsloser Workshopkram. Sabbel Sabbel Sabbel. Es will mir einfach nicht in Kopf, dass das hier die Antwort auf Arbeitslosigkeit sein soll.

Viel mehr scheint es mir so, als ob die systemimmanenten Plagen des Hartz IV Systems immerhin erkannt und nun ausgebügelt werden sollen. Wie viele Artikel und Forschungen gibt es mittlerweile zu dem Thema, die nachweislich aufzeigen wie schlecht das System, für die in ihm gefangenen Menschen funktioniert.

Das bestätigen uns Teilnehmern sogar die Coaches. Keiner sagt:“ oh das ALG II System, ist best, funktioniert tadellos.“ Daraus dann zu schließen, das diese Workshops, hilfreich gar passend oder von Nöten wären, erschließt sich mir absolut nicht. Den moralischen Spagat will ich nicht machen müßen. Auf der einen Seite vollstes Verständnis für uns Hartzis auf der anderen Seite dennoch immer, dieses „das wird alles wenn Sie in Arbeit sind.“

Die gute A. Mußte dann auch erstmal die Tischordnung umstellen. Neben den 10 Fahrrädern, die nach der Radtour einfach in Seminarraum gestellt wurden, wirkte das irgendwie sinnfrei. Hauptsache die Tische stehen schön, im zum Abstellraum umfunktionierten Seminarraum.

Auf, auf zum Thema: zur Farbenlehre…

Frühling Somer Herbst Winter wird an einen Flipchart geschmiert. Und alle sollen Farben nennen.

Meist sagt sie die Farben die zu den einzelnen Typen passen. Stunde rum. Pause!

4-5 Teilnehmer werden nacheinander mit bunten Stoffen geschmückt und die Gruppe soll sie sich ansehen. Ansehen? Macht fast niemand. „Mit dem Gold leuchten seine Augen so schön.“, sind Sätze die A. Von sich gibt. Kopfschütteln und stille Meuterei sind die Reaktion.

Bei der Farbe Pink gibt’s dann auch noch schwulen Witze gratis. „Mit Aubergine werden ihre Lippen rosa und ihr Gesicht leuchtet, sie sind ein Herbsttyp“, sagt sie zu R. Seine Fußballkollegen können nicht mehr und grinsen über beide Ohren.

Nachdem keiner mehr freiwillig eine Typberatung haben will, gibt es Pause.

Thema: Es wird gemunkelt das wir erst um halb zwei, zwei Feierabend haben sollen. Terror! Geht ja gar nicht. Seh ich aber auch so. Die Vier Augen Coaching Termine liegen zum Großteil auch noch in der Zeit direkt nach 13:00 Uhr. Großes Absprachetennis seitens der Orga der Maßnahme. Also eigentlich alles beim Altem.

Letzte Stunde wurde dann gesabbelt, ich weiß nicht genau was Thema war. Astrid hatte wohl auch keine Lust mehr auf ihr Thema.

Kurz vor 13:00 Uhr: M. Fragt nach Pause, da er gleich sein persönliches Coaching habe.

Ich nehme meinen Rucksack in den Pausenbereich, sage Tschöß und gehe.

Dienstag 11.09

Arbeiten!

Mittwoch 12.09

9:00 Uhr Fahrräder stehen immer noch im Seminarraum. Es regnet, alle Raucher stehen dicht gedrängt in der trockenen Ecke des Raucherbereiches. Von Astrid keine Spur. Sie kämpfe mit dem Kopierer heißt es, gefühlte 3 Raucherpausen lang. Etwa halb 10, scheint der Kampf vorrüber, es gibt das Handout. 8 Seiten für alle. Vorstellungsgespräch und was einen für Fragen erwarten könnten. Sie liest alle 8 Seiten vor. Unterbrochen von Raucherpause und Ausschweifungen der persönlichen Art. Der Biker gibt Astrid seine Telefonnummer, sie brauche einen Handwerker…passt ja das er schwarz trägt… Kann es echt sein, das der Coach sich grad nen „Nachbarschaftshelfer“ geschossen hat? Merkwürdige Sachen passieren hier.

01.10.

Montag

Muß mal wieder gucken was der Staat so fürsorgliches vor hat und ob das heute überhaupt weiter geht, bei dieser verlockenden Brückentagwoche und da noch gar keine Arbeit für die Woche anliegt.

Kurz vor 9 komme ich um die Ecke, die den Blick frei gibt, auf den Raucherbereich. Oh nee, es ist heute, der Teilnehmer 6 stehen draußen.

Recht junge, blonde Coachin meint: Sport oder Sportliche Ertüchtigung, sei das Thema.

Nach einem knappen „Guten Morgen“ geht’s auch gleich zur Sache, wir sollen raus, laufen.

„Ich denke nicht.“, hört man aus der Runde.

Die gute Dame vergreift sich im Ton als auch in der Wortwahl.

„Wer von Ihnen macht denn irgendwie (vllt sogar überhaupt)Sport?“

„Wir wollen sie ja runter von der Couch kriegen um einen 8 Std Arbeitstag zu bewältigen.“

„Erst würde ich gerne ein bisschen laufen und danach dann gerne noch auf die Räder.“

Damit endet mein Einblick in eine der skurrilsten Geschichten, die ich als Kunde des Jobcenters, erleben mußte. Mag jeder damit anfangen, was er will.